Mit Pioniergeist hat er Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung Wege eröffnet

Portrait Jochen Fischer, er trägt einen Trachtenjanker, eine runde Brille und hat einen weißen Vollbart.

Thorsten Büchner

Im Juli ist Jochen Fischer im Alter von 79 Jahren in seiner norddeutschen Heimat gestorben. Jochen Fischer war mit seiner Frau Beatrice und dem Ehepaar Pamela und Denis Corey in den 1970er Jahren maßgeblich dafür verantwortlich, dass Orientierungs- und Mobilitätstraining mit Blindenlangstöcken von Marburg aus in ganz Deutschland systematisch gelehrt und unterrichtet wurde. Für ihre Verdienste zur Rehabilitation von Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung erhielten die Coreys und Fischers 2016 die von blista und DVBS gemeinsam vergebene Carl-Strehl-Plakette. Der damalige Leiter der RES, Jürgen Nagel, fasste in seiner Laudatio das Wirken so zusammen: „Mit den Namen Cory und Fischer ist das Thema der Rehabilitation für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung in Deutschland untrennbar und auf Dauer verbunden.“

Jochen Fischer kam Anfang der 1970er Jahre als Erzieher ins Internat der blista und war dort vor allen Dingen im Bereich Sport engagiert. Die Gründung der SSG wäre ohne ihn nicht möglich gewesen. Der Leistungssport hätte sich an der blista nie in dem Maße etabliert, wenn Jochen Fischer nicht mit seiner gewinnenden Art die damaligen Schüler*innen für sportliche Betätigungen begeistert hätte. Rudi Ullrich, damals selbst Schüler der blista, erinnert sich: „Wir haben sehr viel Zeit mit Jochen und seiner Frau Bea verbracht, teilweise hatten wir sportliche Trainingslager in den Ferien. Er hat nicht nur den Leistungssport gefördert, sondern einfach auch die Lust am Bewegen in uns geweckt. Legendär waren die jährlichen „Spiele ohne Grenzen“, bei denen wir uns im sportlichen Miteinander messen konnten.“

Jochen Fischer, seine Frau Bea und die Coreys waren zusammen die ersten ausgebildeten Reha-Fachkräfte an der blista. Er erlernte dieses in Deutschland noch unbekannte Berufsfeld 1974 in Birmingham und war federführend daran beteiligt, den Gedanken der selbstbestimmten Mobilität von Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung in Deutschland zu verbreiten. Sein unermüdlicher Pioniergeist hat vielen Menschen erst Wege eröffnet. 1980 verließ er die blista, um in Hamburg das IRIS-Institut aufzubauen. Über viele Jahre bildete er gemeinsam mit seinen Marburger Weggefährt*innen unzählige Reha-Fachkräfte aus und hat im Team die Grundlagen des heutigen O&M- sowie LPF-Unterrichts gelegt.

Die blista trauert um einen leidenschaftlichen Pädagogen, dessen herausragende Rolle für die Entwicklung des Leistungssports und der eigenständigen Mobilität von Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung unvergessen bleibt.

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