Die Rollenspiel-AG der blista
Ob tapfere Held*innen in düsteren Verliesen, clevere Ermittler*innen in gruseligen Krimis oder selbst erfundene Figuren in völlig neuen Fantasiewelten – in der Rollenspiel-AG der blista wird gemeinsam gespielt, gelacht und Abenteuer erlebt. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele wie Dungeons & Dragons, aber auch selbst entwickelte Spielsysteme und eigene Geschichten.
Die AG, geleitet von Björn Bitterlich (Pädagogischer Mitarbeiter in der WG Schulstraße) und Hannes Walz (Lehrer an der Carl Strehl Schule), bietet den Teilnehmenden, bereits seit zwei Jahren, vor allem eines: Spaß am gemeinsamen Spiel. Gleichzeitig lernen sich die Schüler* innen besser kennen und wachsen als Gruppe zusammen. „Man kann kreativ sein und komplett in andere Welten abtauchen“, erzählt Zuzanna (17). Gerade das gemeinsame Erfinden von Geschichten macht für viele den besonderen Reiz aus.
Für blinde und sehbehinderte Jugendliche haben Pen-and-Paper-Rollenspiele noch eine weitere Bedeutung. Während viele Videospiele nur eingeschränkt oder gar nicht barrierefrei nutzbar sind, funktionieren Rollenspiele vor allem über Sprache, Fantasie und gemeinsames Erzählen. „Es ist ein Ersatz für Videospiele, die blind nicht funktionieren“, sagt Lotta (15).
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Würfel. Sie entscheiden, ob eine Aktion gelingt oder scheitert, und sorgen dafür, dass die Geschichten spannend und unvorhersehbar bleiben. Für unterschiedliche Spielsysteme benötigt man viele verschiedene Würfel, die über die bekannten sechsseitigen hinausgehen. Ein vollständiges Set besteht aus Würfeln mit 4, 6, 8, 10, 12 und 20 Seiten. Besonders diese Würfel stellen für viele blinde Spieler*innen noch immer eine Herausforderung dar. Würfel-Apps oder Hilfestellungen von Sehenden ermöglichen zwar die Teilhabe am Rollenspiel, aber für echte Rollenspieler ist das keine Inklusion. Jede*r möchte ein persönliches Würfelset im Lieblingsdesign haben. Deshalb war der Besuch der sympathischen Gründer von „Cat in the Dice Bag“ ein besonderes Highlight für die AG. Die kleine Firma aus Bad Zwesten entwickelt und produziert handgemachte Würfel. Hannes Walz begab sich bereits im letzten Jahr auf die Suche nach barrierefreien Würfeln und lernte dabei auf einer großen Spielemesse Daniel und Philipp, die Gründer der Würfelmanufaktur, kennen. Die beiden waren schnell daran interessiert, für mehr Barrierefreiheit im gemeinsamen Hobby zu sorgen. Ende April war es endlich so weit und bei selbst gebackenem Kuchen und Snacks arbeiteten sie gemeinsam mit den Schüler*innen an barrierefreien Designs. Die blinden Jugendlichen wurden dabei selbst zu Expert*innen: Sie gaben wichtige Hinweise zu Punktschrift, Kontrasten, Größe und Tastbarkeit der Würfel. Der Nachmittag war für alle ein großer Erfolg.
Wir danken Cat in the Dice Bag für ihren Besuch! Ihr habt die Kids in ihrer Lebenswelt abgeholt, sie ernst genommen, Beteiligung möglich gemacht und alle verließen an jenem Nachmittag die Schülercafeteria mit einem Lächeln im Gesicht.