Mir waren do*

Debora Debes

*(Das ist luxemburgisch für: Wir waren dabei!)

Mitten während der Gesamtkonferenz am 17. März machten wir uns – Herr Flach, Herr Völcker, Frau Rösler und Frau Debes – auf den Weg nach Luxemburg. Dort fand über drei Tage hinweg der Kongress „Insight“ statt, veranstaltet vom luxemburgischen Blindenkompetenzzentrum CDV. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Thema CVI (Cerebral Visual Impairment bzw. zerebrale visuelle Wahrnehmungsstörung) im pädagogischen Kontext. Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere Aspekte von Sehbeeinträchtigungen behandelt. Bereits die Anreise hinterließ einen bleibenden Eindruck: Über eine hochgelegene Brücke führte der Weg in die Stadt, mit einem beeindruckenden Blick auf die historische Altstadt unterhalb und die moderne Innenstadt oberhalb des Tals.

Der Kongress brachte Fachleute aus verschiedenen Ländern zusammen, darunter Gäste aus Neuseeland, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg und Deutschland. Die Vorträge wurden teilweise auf Französisch gehalten, sodass wir gelegentlich auf Übersetzungs-Apps zurückgreifen mussten. Glücklicherweise erwies sich die Mehrsprachigkeit der Luxemburger als großer Vorteil, da viele von ihnen ausgezeichnet Deutsch sprechen.

Debora Debes, Silke Roesler, Jens Flach und Michael Völcker stehen in winterlicher Kleidung auf einem Platz vor einer Treppe, über der der Schriftzug „Luxembourg“ prangt.

Die Eröffnung wurde musikalisch begleitet und fand in einem beeindruckenden, riesigen Plenarsaal statt. Dort saßen wir plötzlich vor einer ganzen Reihe von Knöpfen zur Mikrofonsteuerung, und die Versuchung war durchaus groß, einmal daraufzudrücken. Wir konnten uns aber beherrschen und wurden stattdessen mit durchweg spannenden Vorträgen belohnt.

Besonders eindrucksvoll konnte in den Plenarvorträgen Frau Dr. Unterberger darstellen, wie schwer es überhaupt ist, CVI von Erkrankungen wie ADHS oder Autismus abzugrenzen bzw. wo es Überschneidungspunkte gibt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass pädagogische Unterstützung letztlich nicht ausschließlich von einer Diagnose abhängt: Gut strukturierte und barrierearme Materialien kommen Kindern mit Blindheit, CVI, ADHS oder Autismus gleichermaßen zugute.

Außerdem zeigten die Luxemburger aus dem CDV in verschiedenen Workshops über zwei Tage ihren Umgang mit CVI, von der sehr frühen Diagnose der Grundschulkinder bis hin zu Einzelveranstaltungen zur Weiterentwicklung und zur Aufbereitung von Schulbüchern, individuell abgestimmt an die jeweilige Ausprägung der CVI. Auch wurden in verschiedenen Workshops diverser Dozierender Möglichkeiten zur Diagnose dargestellt, wie z. B. der BeoBo CVI oder die App „Austin Assessment Work", oder auch Ansätze des UDL (Unterricht für alle, z. B. in Form eines barrierefreien digitalen Lernbuchs, das für jegliche Beeinträchtigungen mit einfacher Steuerung angepasst werden kann).

Die Lehrkräfte stehen hinter einem Tisch und zeigen interessierten Zuschauer*innen verschiedene in der blista entwickelte Materialien aus dem MINT-Bereich.

Am zweiten Tag stellten außerdem Herr Völcker und Frau Debes an einem eigenen Stand Materialien des MINT-Bereichs der blista vor. Dabei durften die Klassiker, wie Magnettafeln oder die WikkiStixs, natürlich nicht fehlen. Ein besonderes Highlight waren die UV-Direktdrucke, die unterschiedliche Texturen fühlbar machen und deutlich stabiler als eine Schwellkopie sind. Als Abschluss des zweiten Konferenztages wurden wir in der Panoramabar nicht nur mit leckeren Macarons und Getränken beglückt, sondern auch mit einem tollen Blick auf Luxemburg von oben.

Am dritten und letzten Tag standen Erfahrungsberichte von Betroffenen im Mittelpunkt. Offen und eindrucksvoll schilderten sie ihren persönlichen Werdegang, bestehende Barrieren sowie ihre Erfahrungen im Bildungs- und Berufsleben. Diese Perspektiven machten nochmals die Bedeutung von guter Förderung und Barrierefreiheit deutlich. Gegen Freitagmittag ging es zurück nach Hause – mit vollen Köpfen, vielen neuen Anregungen und jeder Menge fachlichem Input. (Deutlich leerer als unsere Köpfe waren allerdings unsere Geldbeutel. Wer einmal 20 Euro für eine Pizza bezahlt hat, weiß warum.)

Wir danken der Reinhard-Frank-Stiftung herzlich dafür, dass sie die Teilnahme an diesem spannenden Kongress ermöglicht hat.

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